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Filter Betont Vor 30 Jahren haben wir eine Tür zur großen weiten Welt aufgestoßen

Vor 30 Jahren haben wir eine Tür zur großen weiten Welt aufgestoßen

Wir feiern den 30. Jahrestag der Einführung unserer deutschsprachigen Tierarztausbildung

An der Veterinärmedizinischen Universität wurde vor 30 Jahren mit der deutschsprachigen Tierarztausbildung begonnen. Das Programm läuft seit drei Jahrzehnten mit großem Erfolg und die Anfangsjahre stellten ohne Zweifel eine große Hilfe für die Entwicklung der Universität dar, dank der sie auch schon seit damals zu den international führenden Einrichtungen für Tierarztausbildung gehört. Anlässlich des runden Jubiläums haben wir zusammen mit Dr. Tibor Bartha, dem Prorektor für internationale Beziehungen an der Veterinärmedizinischen Universität, die vergangenen 30 Jahre Revue passieren lassen.

Veterinärmedizinische Universität: Wie sehen Ihre Erinnerungen an die ersten deutschen Studierenden aus?

Dr. Tibor Bartha: Die ungarische Tierarztausbildung kann auf eine 232-jährige Tradition zurückblicken, es gab kein einziges Jahr, in dem wir nicht ein Studienjahr eröffnet hätten. Die Wissenschaftler an unserer Universität waren weltweit be- und anerkannt, nach ihnen wurden auch Krankheiten benannt. Nach der Ankunft der deutschen Studierenden stellte sich heraus, dass es sich gut auf unsere Ausbildung auswirkt, wenn wir ausländische Studierende in einer Fremdsprache unterrichten, und wir konnten auch ihre Erwartungen erfüllen. Mit der Einführung des deutschen Programms war es auch notwendig, eine andere Perspektive in die Lehre zu integrieren, da sie einen anderen kulturellen Hintergrund hatten, deswegen mussten wir lernen, wie man ausländische Studierende ausbilden muss, und dies auch noch auf Deutsch. Die Einführung des deutschen Programms hatte damals eine ganz erstaunliche Wirkung auf das damalige Leben der Universität und stieß einen Entwicklungsprozess an. Wir haben viel von ihnen gelernt, aber natürlich haben sie auch viel von uns gelernt. Ich denke, dass dieser Prozess auch seitdem anhält.

VMU: Wie hat die Einführung des Programms Ihrer Meinung nach das Universitätsleben verändert?

TB: Die Ankunft der deutschen Studierenden brachte eine gewaltige Veränderung mit sich, weil wir damals noch nicht wussten, ob wir in der Lage sind, in einer Fremdsprache zu lehren und Studierende auszubilden. Unsere Lehre auf Ungarisch funktionierte gut, die Herausforderung bestand also darin, die bewährte Praxis auf die fremdsprachige Ausbildung zu übertragen. Zum Glück ist uns das sehr gut gelungen, und es wirkte es sich dann sogar so aus, dass sich bald herausstellte, was man in der ungarischen Ausbildung anders unterrichten muss. Auf der Basis des bereits ein paar Jahre erfolgreich laufenden deutschen Programms konnten wir dann auch die englische Ausbildung ins Leben rufen. Ich wage es zu behaupten, dass unsere englische Ausbildung deswegen eingeführt werden konnte, weil wir bereits im Vorhinein über praktische Erfahrung mit fremdsprachiger Ausbildung verfügten. Mittlerweile haben wir mehr auf Englisch lernende Studierende als die ungarischen und deutschen Studierenden zusammengenommen, und wir sind stolz darauf, dass wir einer der internationalsten Campusse sind, aber das haben wir eigentlich der deutschen Ausbildung zu verdanken.

VMU: Was ist Ihre Meinung über die deutschen Studierenden? Inwieweit unterscheiden sie sich von den ungarischen Studierenden?

TB: Ich mag die deutschen Studierenden sehr, sie sind viel organisierter: als Dozent kann ich ihnen jede beliebige Aufgabe stellen, sie werden sie auf dem erwarteten Niveau erfüllen. Leider habe ich weniger mit ihnen zu tun als mit den englischsprachigen Studierenden, da ich sie nicht unterrichte, aber ich halte diese Studierenden für sehr talentiert und fleißig. Die ungarischen Studierenden hingegen kann man von den ausländischen Studierenden dadurch unterscheiden, dass sich ein ungarischer Student auf dem Campus nur auf eine Bank setzt, während sich die internationalen Studierenden dorthin setzen, wohin die Sonne scheint, egal ob es Gras oder eben die Mitte der Straße ist.

VMU: Im Ausland wird die Veterinärmedizinische Universität als einer der internationalsten Campusse hervorgehoben. Was für Möglichkeiten ergeben sich für die hier Studierenden daraus?

TB: Ich denke, dass es keine andere Tierärztliche Hochschule gibt, wo der Anteil der ausländischen Studierenden so hoch wäre, insbesondere, wenn wir berücksichtigen, aus wie vielen Ländern unsere Studierenden kommen, können wir eindeutig sagen, dass unser Campus einer der internationalsten überhaupt ist. Gerade deswegen, weil ich darin ein großes Potential sehe, rege ich immer unsere internationalen und ungarischen Studierenden dazu an, in ihren Universitätsjahren Freundschaften zu schließen und Kontakte aufzubauen, hier können sie nämlich nicht nur Freundschaften fürs Leben schließen, sondern auch einander dabei helfen, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Die im Ausland gemachten Erfahrungen und das dort erworbene Wissen hier einzubringen und zu nutzen, ist eine unserer wichtigsten Zielsetzungen.

VMU: Dieses Jahr feiern wir den 30. Jahrestag der Einführung unserer deutschsprachigen Ausbildung. Anlässlich dieses Jubiläums organisieren wir im Rahmen der Marek-Tage jetzt zum ersten Mal das I. VMU Oktoberfest. Was möchten Sie unseren Studierenden in diesem Zusammenhang ausrichten?

TB: Ich halte das I. VMU Oktoberfest für eine sehr gute Initiative, weil Bier die Leute zusammenbringt, da jeder die Sprache des Biers versteht. Für die Studierenden ist diese Veranstaltung eine sehr gute Gelegenheit, sich zu treffen, denn bei einem Krug guten Biers und einer Wurst kann man viel leichter Freundschaft schließen. Mit der Organisation solcher Ereignisse schafft die Universität eine Möglichkeit für die Studierenden, damit der Aufbau von Kontakten, die Eingewöhnung und die Anpassung an die neue Umgebung so einfach wie möglich vonstattengehen.